Persönlicher Erfahrungsbericht von COCOtravellern Olivia & Thomas
Ansitz Felsenheim, Lermoos · Tiroler Zugspitz Arena
Manche Häuser erzählt man am besten über einen einzigen Abend. Bei uns war es der, an dem rund um das Hotel die Berge zu brennen begannen – Enzian, Edelweiß und eine Gämse aus Feuer, hoch oben in der Dunkelheit. Aber der Reihe nach. Der Ansitz Felsenheim in Lermoos ist ein 300 Jahre altes Jagdschloss, in dem heute ein junger Gastgeber die Küche führt. Wir haben drei Tage mit unserem Vierjährigen hier verbracht und dabei ein Haus kennengelernt, das man so kein zweites Mal findet.
Über die Berge nach Lermoos, mit Vorfreude im Gepäck
Von Salzburg aus fährt man über Deutschland nach Lermoos, und schon diese Fahrt stimmt einen ein. Das Panorama wird mit jedem Kilometer besser, und irgendwann sitzt man einfach da und schaut. Wer aus Deutschland kommt, rollt über Ulm oder München vignettenfrei ins Tal – eine dieser kleinen Erleichterungen, die man in Österreich sonst selten hat. Als wir ankamen, war die Vorfreude also schon warmgelaufen.

Empfangen vom Hausherrn des Ansitz Felsenheim, der abends am Herd steht
Begrüßt hat uns Benedikt Kössler, und er nimmt sich gleich Zeit für eine persönliche Runde durchs Haus. Er ist der junge Hausherr, vor ein paar Jahren ins Familienhaus zurückgekehrt, der Jüngste von mehreren Geschwistern – und zugleich der Koch, was an diesem Wochenende noch eine Rolle spielen wird. Während wir von Raum zu Raum gehen, erzählt er von den drei Jahrhunderten, die in diesen Mauern stecken, und vom Denkmalschutz, der die alten Gänge unangetastet lässt. Wichtig ist ihm dabei ein Gedanke, den man dem ganzen Haus anmerkt – man soll spüren, dass man in einem historischen Gebäude wohnt, auch wenn das Apartment frisch renoviert ist.
Out of the Ordinary
Der Gastgeber am Herd
Der Gastgeber, der einem morgens das Frühstück serviert, ist derselbe, der abends beim Dinner & Pizza Abend am Herd steht. Benedikt hat seine Lehre bei Haubenköchin Johanna Maier gemacht und war danach rund zehn Jahre als Koch international unterwegs – das schmeckt man.



Das Apartment Jakob Prandtauer und sein Barockbaumeister
Wir durften direkt einziehen, und der erste Eindruck war schlicht: viel Platz und ein Stil, der uns sofort gefiel. Unser Apartment trägt den Namen Jakob Prandtauer, nach dem österreichischen Barockbaumeister, verteilt sich mit 101 m² über zwei Etagen und hält drei Schlafzimmer bereit, jedes mit eigenem Bad und WC. Für einen Familienurlaub mit den Großeltern ist das ideal, genauso für drei Pärchen, die zusammen verreisen – jeder hat seinen Rückzugsort, und das große Wohnzimmer mit offenem Kamin, Küche und Essbank wird zum gemeinsamen Treffpunkt.






Jedes Zimmer ist anders eingerichtet, und überall steckt Liebe zum Detail. Das Zimmer im Dachgeschoss ist in zartem Rosa gehalten und gibt größeren Kindern ein eigenes kleines Turmzimmer. Die Bäder sind frisch renoviert und blitzsauber, und dem ganzen Haus merkt man an, dass hier laufend erneuert wird, ohne dass die alte Substanz verloren geht. Tradition und Moderne greifen ineinander, statt sich zu widersprechen.






COCOtipp
Ein Punkt zum Mitdenken, weil es ein historisches Haus ist: Eine Klimaanlage gibt es nicht. Bei uns war es angenehm temperiert, aber wer hitzeempfindlich ist, sollte für heiße Hochsommertage einplanen, morgens gut zu lüften und tagsüber abzudunkeln.
Was unseren Vierjährigen im Ansitz Felsenheim sofort überzeugt hat
Unser Sohn hatte sein Reich schnell gefunden. Das blaue Zimmer mit der kleinen Schlafkoje war für ihn gesetzt, und darin hat er richtig gut geschlafen – für kleinere Kinder gäbe es alternativ Babybetten. Das eigentliche Highlight hing allerdings im Zimmer: eine Kinderschaukel, die man bei Bedarf aufhängen kann und die bis etwa fünf Jahre geeignet ist. Die hat ihn restlos begeistert.




Das Spielzimmer für große und kleine Kinder
Ein halbes Stockwerk über uns liegt das Spielzimmer im Dachgeschoss, und das war der zweite große Gewinner. Ritterburg mit Rutsche, Gesellschaftsspiele, dazu Fernseher mit PlayStation und Nintendo, was auch ältere Kinder abholt. Weil es so nah war, konnte der Kleine dort eine Weile allein spielen, während wir in Ruhe einen Kaffee tranken – ein kleiner Luxus, den man mit Kind zu schätzen weiß.



Selbst kochen oder sich im Felsenheim das Brot liefern lassen
Die Küche ist gut ausgestattet, für längere Aufenthalte findet man hier alles. Wir haben sie am Ende kaum genutzt, weil wir viel unterwegs waren, aber die Option ist da. Praktisch fanden wir den Brotservice: Man frühstückt entweder im Haus oder lässt sich täglich frisch gebackenes Brot liefern, das morgens in einem Beutel vor der Tür hängt. Wir haben zweimal im Haus gefrühstückt und den Service deshalb nicht gebraucht – für eine ganze Woche wäre er aber ein schöner Begleiter.
Am Morgen riecht der Ansitz Felsenheim nach frischem Sauerteigbrot
Unser zweiter Tag begann mit einem Duft, der einen sofort wach macht. In der Küche ging es emsig zu, und was dann auf den Tisch kam, hat uns überzeugt. Ein Etagen-Turm mit regionalem Käse, Schinken und frischem Obst, dazu Croissants, das hausgemachte Brot und Gebäck. Es gibt hausgemachte Marmeladen und frische Butter, für uns Erwachsene zusätzlich Hummus und frische Gemüsesalate, und die Eier bekommt man, wie man sie mag. Für unseren Sohn zauberte die Küche am ersten Morgen Pancakes und am zweiten Waffeln – leuchtende Kinderaugen inklusive.
Den Kaffee haben wir im Wintergarten auf der Terrasse genossen, die Bergwelt vor uns. Das Haus liegt in einer Art Talkessel, und dadurch öffnet sich ringsum ein 360-Grad-Panorama, das die Gipfel noch größer wirken lässt, als sie ohnehin sind.






Mit dem Rad zum Grubigstein, und warum das kein Selbstläufer ist
Für den Tag haben wir uns an der Rezeption inspirieren lassen, wo mehrere Mappen mit Ausflugsideen bereitliegen – von kleinen Wanderungen über große Touren bis zu Radrouten, für jede Kondition etwas. Wir entschieden uns für Didi's Almseerunde am Grubigstein, einen rund zwei Kilometer langen Themenweg, der für Kinder mit vielen Stationen gespickt ist.
Zur Bergbahn sind es ein paar Kilometer, und wir nahmen die hoteleigenen Fahrräder mit Kindersitz. Grundsätzlich geht das gut und es gibt tolle Radwege bis zur Bergbahn, aber eine ehrliche Vorwarnung sei erlaubt: Der letzte Kilometer zieht ordentlich bergauf, und weil es keine E-Bikes sind, würden wir das eher geübten Bergauf-Radlern empfehlen. Ich habe mein Rad die letzten Meter geschoben, während Thomas tapfer weiterkurbelte.


Ab der Bergstation ging es dann gemütlich mit der Bahn hinauf, und oben war der Weg nicht mehr steil. Die meisten Pfade sind gut begehbar, auch mit Kinderwagen kein Problem, und unser Vierjähriger hat die Runde mit ein paar Pausen zu Fuß geschafft – mit sichtlichem Spaß. Zur Belohnung gab es Kaiserschmarrn in der Alm direkt bei der Station. Und der schönste Teil des Rückwegs kam von selbst: Bergab rollt das Rad fast ohne Zutun.
COCOtipp
Wer mit kleinen Kindern unterwegs ist und sich den steilen Anstieg zur Bergbahn sparen möchte, fährt die kurze Strecke lieber mit dem Auto oder fragt an der Rezeption nach der bequemsten Variante. Oben am Grubigstein sind die Wege dann auch kinderwagentauglich.






Schwitzen im 300 Jahre alten Gewölbekeller, wo früher die Kohle lag
Am Abend zogen wir uns abwechselnd in den Spa zurück. Finnische Sauna, Dampfbad und ein angenehmer Ruheraum, in dem sich die Wanderung gut ausklingen ließ. Der Bereich ist überschaubar, aber stilvoll, und er hat eine Geschichte, die uns gefallen hat. Vor 300 Jahren war der Gewölbekeller ein Kohlenkeller, in dem die Feuerung des Hauses lagerte. Heute, seit das Haus über das nachhaltige Bioheizwerk versorgt wird, ist der Platz frei geworden – und wo einst die Kohle lag, wird nun nur noch geschwitzt.






Der Abend, an dem rund um Lermoos die Berge zu brennen beginnen
Das Highlight des Tages kam nach Einbruch der Dämmerung: das Bergfeuer-Dinner auf der Terrasse. Von hier hat man den besten Blick auf ein Spektakel, das rund um die Sommersonnenwende im Talkessel von Lermoos, Ehrwald und Biberwier stattfindet und seit 2010 zum immateriellen UNESCO-Kulturerbe zählt. Dazu ein mehrgängiges Menü aus regionalen Zutaten und ein guter Wein – und man schmeckt, dass hier ein Koch am Werk ist, der bei Haubenköchin Johanna Maier gelernt und sein Handwerk danach weit über Tirol hinaus verfeinert hat.




Wir waren aufgeregt, weil keiner von uns so etwas je gesehen hatte, und weil man uns gesagt hatte, man müsse erraten, welche Symbole die Feuer darstellen. Zuerst tappten wir im Dunkeln, doch je schwärzer der Himmel wurde, desto klarer traten die Figuren hervor. Die Seilbahn, die hundert Jahre feiert, ein WM-Pokal – Österreich und Deutschland waren beide noch im Rennen –, dazu Enzian, Edelweiß und eine Berggemse. Durch die Kessellage sieht man schon von der Terrasse viele der Feuer, und bei einer kleinen Runde ums Haus wird daraus ein 360-Grad-Erlebnis.
Am meisten beeindruckt hat uns der Aufwand dahinter. Monatelang wird vorbereitet, bis zu 700 Säcke, gefüllt mit Sägemehl und Rapsöl, auf bis zu 2.000 Meter Höhe getragen und millimetergenau platziert, insgesamt rund 10.000 einzelne Feuerstellen. Hut ab vor den vielen Bergfeurern, die das Jahr für Jahr stemmen. Unser Jüngster hat die großen Feuer am Ende verschlafen – nach so einem Tag war er komplett k. o., und wir hatten dafür einen ruhigen, langen Abend zu zweit.




Out of the Ordinary
Berge in Flammen
Das Bergfeuer haben wir noch nie zuvor erlebt, und es hat uns von der ersten bis zur letzten Flamme gefesselt. Wer schnell ist, timt die Buchung fürs nächste Jahr gleich auf die Sommersonnenwende – die Terrasse des Felsenheim ist einer der schönsten Logenplätze dafür.
Ein Trampolin im Garten des Ansitz Felsenheim und ein paar praktische Dinge
Zum Haus gehört ein eigener Garten mit Trampolin und kleinen Kinderwippen, nicht groß, aber ideal, um die Wartezeit zwischen den Gängen oder beim Frühstück zu überbrücken. Ein Griller steht ebenfalls bereit, und für größere Gruppen lässt sich das Gartenhaus mit Verköstigung buchen. Geparkt haben wir kostenlos am Grundstück; direkt an der Bergbahn vor dem Haus gäbe es zusätzlich öffentliche Plätze.
Am ersten Abend gab es kein Dinner im Haus, also zog es uns in den Ort – und das war eine gute Wahl. In Lermoos liegen zahlreiche Lokale fußläufig, die Nachbarorte sind mit dem Auto schnell erreicht, und das Team im Hotel gibt bereitwillig Empfehlungen, wenn man fragt.




Auf dem Heimweg von Lermoos noch schnell nach Neuschwanstein
Am letzten Tag konnten wir bis 11 Uhr auschecken, was mit Kind angenehm entspannt ist. Beim Packen kam dann der Satz, der uns am meisten über diese drei Tage sagt: Unser Vierjähriger wollte wissen, wann wir wiederkommen – und ob wir beim nächsten Mal zehn Tage bleiben können. Bessere Kritik gibt es nicht.
Auf dem Heimweg habe ich mir dann einen Kindheitstraum erfüllt und Schloss Neuschwanstein besucht, ebenfalls ein Tipp des Hauses. Von Lermoos sind es rund 40 Kilometer, realistisch also etwa 45 bis 60 Minuten Fahrt. Auf die Marienbrücke habe ich es wegen meiner Höhenangst nur drei Schritte weit geschafft, bevor ich umgedreht bin – schön war es trotzdem, und als Abschluss der Reise eine klare Empfehlung.




COCOtipp
Neuschwanstein lässt sich gut mit der An- oder Abreise aus Richtung Deutschland verbinden. Tickets vorab online sichern, die Zeitfenster sind begehrt – so erspart ihr euch vor Ort das Anstehen.
Für wen der Ansitz Felsenheim das richtige Haus ist
Aus unserer Sicht passt der Ansitz Felsenheim besonders gut zu Familien, die Platz und Rückzug wollen – die großen Apartments funktionieren auch mit Großeltern. Ebenso zu Freundesgruppen und mehreren Paaren, weil jedes Schlafzimmer sein eigenes Bad hat. Wer Wert auf Küche vom Gastgeber, Regionalität und historisches Ambiente legt, ist hier richtig, genauso wie Aktivurlauber, die Wandern, Radfahren und im Winter Ski direkt vor der Tür schätzen.
Weniger das Richtige ist der Ansitz für alle, die klassischen Vollhotel-Service mit durchgehendem Restaurant und Klimaanlage erwarten. Das Konzept ist bewusst das eines Apart-Hotels mit ausgewählten Ess-Terminen, und das historische Haus kommt ohne Klimatisierung aus. Wer damit gut leben kann, bekommt hier etwas, das man selten findet.



Unsere Erfahrung zum Ansitz Felsenheim in Lermoos
Wir sind mit dem Gefühl abgereist, etwas Besonderes erlebt zu haben – und mit einer klaren Absicht wiederzukommen. Der Ansitz Felsenheim verbindet 300 Jahre Geschichte mit frischem Wind, einen Gastgeber, der sein Handwerk versteht, und eine Lage, die im Sommer wie im Winter überzeugt. Das Bergfeuer war das Sahnehäubchen, aber ehrlich gesagt hätten uns schon das Frühstück mit Panorama und die Ruhe der Apartments überzeugt.
Unser COCOtravel-Fazit ist ein COCOtipp für Familien und Freundesgruppen, die Tirol abseits der großen Bettenburgen erleben wollen – persönlich, geerdet und mit Blick auf die Zugspitze.

TEXT & FOTOS Olivia & Thomas Sommeregger
Ansitz Felsenheim
Familie Kössler · Mösle 1, 6631 Lermoos · Tirol, Österreich
Häufige Fragen zum Ansitz Felsenheim
Reisebericht: Olivia & Thomas, COCOtravel







