Erfahrungsbericht von COCOtravellerin Silvia: miiro Spittelberg Wien
miiro Spittelberg · Kirchberggasse 6, 7. Bezirk, Wien
COCOtravellerin Silvia reiste Mitte August mit ihrem besten Freund Klaus für zwei Nächte in die Kirchberggasse. Das Haus der Londoner Gruppe Miiro sperrte Ende März auf und trat mit einem Versprechen an: Jedes Hotel soll den Charakter seines Viertels aufnehmen. Ob eine internationale Marke das kleinteilige Spittelberg wirklich versteht, wollten die beiden vor Ort herausfinden. Entschieden haben es am Ende zwei Dinge – die Kleinigkeiten im Zimmer und ein Restaurant, das sich in Wien längst über den Hotelbetrieb hinaus einen Namen gemacht hat.
COCOfacts zum miiro Spittelberg Wien
Kirchberggasse 6: Warum das Spittelberg-Grätzl den Ton vorgibt
Wir kommen mit dem Zug, und die Vorfreude beginnt schon vor der Ankunft, weil wir beide dieses Viertel mögen. Grätzl nennt man in Wien eine Handvoll Straßenzüge, die sich anfühlen wie ein eigenes Dorf mitten in der Stadt. Am Spittelberg stimmt dieser Vergleich besonders gut: Früher haben hier die Handwerker gearbeitet, heute stehen kleine Werkstätten neben Concept Stores und ein traditionelles Kaffeehaus neben einem Lokal mit Filterkaffee-Karte. Kopfsteinpflaster, viel Gastronomie, wenig Hektik.
Das miiro Spittelberg in Wien liegt mittendrin, in der Kirchberggasse 6. Bis zum MuseumsQuartier sind es ein paar Minuten zu Fuß, in den ersten Bezirk spazieren wir gemütlich zwanzig, quer durch die schönen Seiten der Stadt. Wer Wien kennt und diesmal weniger abhaken als herumtreiben möchte, wohnt hier genau richtig.
COCO-Tipp
mit dem Zug entspannt anreisen – bis Westbahnhof, von dort sind es nur 4 U-Bahnstationen mit der U3 (kein Umstieg) und dann nur mehr 5 Gehminuten (Aber Achtung: bergauf: immerhin sind wir am Spittelberg)

Ankunft im miiro Spittelberg: bunte Stufen, Bar im Blickfeld
Ein paar bunt geflieste Stufen hinauf, einmal links, und dann öffnet sich ein Lobbybereich, mit dem wir nach der ruhigen Gasse nicht gerechnet haben. Die Rezeption kommt als Wohnzimmer daher, dahinter liegt die Bar. Die wirkt so einladend, dass unser Abendprogramm damit feststeht, bevor wir das Zimmer gesehen haben.
Der Check-in fällt knapper – vermutlich englisch-kühl aus. Wir werden weder mit Namen begrüßt noch mit einem Getränk empfangen. Frühstückszeiten oder die Öffnungszeiten des Gyms besorgen wir uns selbst. Das junge, offene Team antwortet freundlich auf alles. Good to know: Die Londoner Gruppe setzt auf Internationalität, Haussprache ist Englisch. Für Gäste, die es unaufdringlich mögen, passt dieser zurückhaltende Zugang gut; wer beim Ankommen umsorgt werden möchte, sollte das vorher wissen.
COCO-Tipp
Holt euch die Basics gleich beim Check-in aktiv ab: Frühstückszeiten, Gym, Refresh Room, Tischreservierung im POCO. Das Haus informiert von sich aus wenig, beantwortet aber jede Frage bereitwillig. Ohne Englisch wird es im Hotel wie im Restaurant mühsam – wer sich damit schwertut, klärt die wichtigsten Punkte besser schriftlich vorab. Ein Blick in den Nachbarschaftsguide auf der Hotelwebsite lohnt sich ebenfalls.



Das Deluxe Studio: Atelier-Stil, Le Labo und ein Teppichboden mit eigener Meinung
Unser Deluxe Studio mit knapp 30m2 ist im hauseigenen Atelier-Stil eingerichtet, und der trifft mit Sicherheit nicht jeden Geschmack: zurückhaltend, zeitgenössisch, sehr schlicht, dafür mit hochwertigen Materialien und klaren Linien. Geöltes Holz, kühle Weißtöne, ein paar knallige Farbakzente, viel Textil, das den Raum hörbar dämpft. Wir wohnen für zwei Nächte wie in einem stilvollen Stadtappartement. Das Bad ist klein, hat aber trotzdem eine schmale Badewanne, dazu weiße Fliesen, verchromte Armaturen, Steinboden und Handtücher, deren Qualität man am Gewicht merkt.
Zwei Punkte trüben das Bild ein wenig. Der Teppichboden ist gewöhnungsbedürftig, das Muster ebenso wie die Entscheidung, überhaupt Teppich zu verlegen; ich mag Holz oder Vinyl deutlich lieber. Wem es genauso geht, der ist im Schwesterhaus Miiro Palais Rudolf am Rudolfsplatz besser aufgehoben. Außerdem knarzt das Bett bei jeder kleinen Bewegung. Dafür lässt sich die Klimaanlage individuell regeln, und im heißesten Sommer der Messgeschichte war mir das mehr wert als jede Designentscheidung.






Out of the Ordinary
die Details, die auf keiner Hotelwebsite stehen
Neben den üblichen Kaffeeobers-Döschen liegen kleine dreieckige Cups mit Oatly-Hafermilch bereit. Bei Miiro dürfte das inzwischen Standard sein, wir kennen es schon aus dem Palais Rudolf, und es freut uns jedes Mal wieder. Der Wasserkocher ist schwarz und so schön gestaltet, dass ich ihn tatsächlich fotografiert habe. Die Pflegeprodukte stammen von Le Labo, riechen frisch nach Kräutern und fühlen sich auf der Haut großartig an. Und dann das Toilettenpapier: auffallend weich und hochwertig. Genau an dieser Stelle sparen viele Häuser, hier eben nicht.
POCO im miiro Spittelberg: die beste Pizza seit langem
Die größte Überraschung dieses Aufenthalts steht im Erdgeschoß. Hinter dem Restaurant POCO stehen die Londoner Gastronomen Jake Bucknall und Jacob Stuttard (D4100), die hier zum ersten Mal außerhalb Großbritanniens eröffnet haben. Angelegt ist das Lokal ausdrücklich als neighbourhood restaurant, also als Adresse für das ganze Grätzl: geöffnet von morgens bis abends, Kaffee, Pizza, Drinks, Platz zum Arbeiten und Treffen. Dass an den Tischen rund um uns Wienerinnen und Wiener sitzen, die hier nicht übernachten, spricht für das Konzept.
Und die Pizzen sind schlicht großartig. Klaus wählt die Spittelberg mit gelber Tomatensauce, Fior di Latte, Salsiccia, Nduja und karamellisierter Zwiebel und ist für jemanden der eigentlich gar nicht so auf Pizza steht, ziemlich begeistert. Zu Recht. Ich habe mich für die klassische Margarita entschieden und wurde nicht enttäuscht. Den hier zeigt sich das wahre Können eines Pizzabäckers. Mit nur wenigen Zutaten eine Geschmacksexplosion zu kreiieren ist wahre Pizza-Kunst. Denn manchmal ist weniger einfach mehr.
Good to know: Was in vielen Pizzerien verpönt ist, wird hier zelebriert: Man toppt seine Pizza nach Lust und Laune, von Pancetta und scharfer Salami über geräucherte Provola und Stracciatella bis zu Artischocken, Rucola und Taggiasca-Oliven.





Out of the Ordinary
der erste Bissen
Die beste Pizza seit langem, darüber sind wir uns nach zwei Sekunden einig. Für ein Hotelrestaurant ist das eine kleine Sensation: Die Pizza ist hier der Grund, warum beinahe mehr Einheimische als Hotelgäste im Restaurant speisen.
COCO-Tipp
Lasst Platz für das Banoffee. Die Portion ist für eine Person gedacht und zum Teilen entschieden zu klein, ein echter Karamelltraum. Wer Trubel mag, kommt am Freitag oder Samstag, dann legt im POCO ein DJ auf. Wer es ruhiger möchte, reserviert unter der Woche und eher früh am Abend. Es gibt ürigens ganz wunderbare Fensternischen; bei der Reservierung danach fragen.
Die Bar im miiro Spittelberg: unkomplizierte Karte, mutige Signatures
Die Getränkekarte ist angenehm übersichtlich gehalten, mit Spritz-Variationen, Aperitifs, Cocktails und gutem Bier. Man bleibt gern ein bisschen länger, als geplant war. Die Signature Cocktails wirken so vielfältig wie das Grätzl selbst, sie heißen Mezzo e Mezzo, Apricot Cosmopolitan, Hot Honey Sour oder Jasmine Paloma.
Wir waren dann zu feig oder sagen wir zu konservativ und haben einen klassischen Gin & Tonic bestellt. Beim nächsten Mal der Hot Honey Sour, das haben wir uns fest vorgenommen.

Frühstück im miiro Spittelberg: Eierstation, Shakshuka und eine Käsekrainer
Das Frühstück ist ein klassisches Buffet mit österreichischer Schlagseite: Würstel, Speck, Lachs, Schinken, Käse, Obst, Müsli und zwei Säfte. Die frische Eierstation liefert Omelette, Spiegelei und Rührei, dazu kommt ein Gericht, das sich abhebt – Shakshuka, das levantinische Pfannengericht aus pochierten Eiern in würziger Paradeisersauce. Auffallend viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kümmern sich um die Tische, der Kaffee wird serviert.
An den Geschmäckern scheiden sich hier die Geister. Klaus hält die Käsekrainer zum Frühstück für ein Highlight. Ich als Vegetarierin bleibe bei den flaumigen Rosinenbrötchen und dem cremigen Hummus, und beides ist wirklich gut.
COCO-Tipp
Bucht das Frühstück nur für einen Tag dazu. Es ist gut, keine Frage, aber rundherum liegen die Kaffeehäuser und Cafés des Spittelbergs, und die gehören zum Grätzl-Erlebnis dazu. Zwei Nächte, ein Hotelfrühstück, ein Vormittag draußen: So würde ich es wieder machen.



Kunst statt Spa: NOHRD-Gym, Refresh Room und österreichische Positionen an der Wand
Wer Pool, Sauna oder Behandlungsräume erwartet, sucht im miiro Spittelberg Wien vergeblich. Das Haus setzt seine Schwerpunkte woanders. Es gibt ein kleines, feines Fitnessstudio, rund um die Uhr geöffnet und mit NOHRD-Equipment aus Echtholz ausgestattet, das gut aussieht und trotzdem ordentlich fordert. Praktisch für alle, die mit dem Zug anreisen: der Refresh Room vor dem Check-in und nach dem Check-out, in dem man sich frisch machen kann, statt mit Koffer durch die Stadt zu ziehen.
Der eigentliche Schwerpunkt des Hotels ist die Kunst. In den öffentlichen Bereichen sowie den Zimmern sind Arbeiten von Christian Ludwig Attersee, Kurt Moldovan, Josef Mikl, Hubert Pfaffenbichler, Heimo Zobernig und Cornelius Kolig zu sehen.
Kunst wird hier als durchgehendes Gestaltungsthema behandelt, weit über Dekoration hinaus, und genau das verbindet das Hotel mit einem Viertel, in dem Handwerk und Kreativszene seit jeher nebeneinander existieren.



Out of the Ordinary
ein Haus, das sich am Grätzl orientiert
„Brilliantly Considered Stays“ lautet das Leitmotiv der Gruppe, und das klingt zunächst nach Marketing. Vor Ort merkt man aber, dass hier tatsächlich aus dem Ort heraus gestaltet wurde: natürliche Materialien, Atelier-Ästhetik, österreichische Kunst, dazu ein Restaurant, das offen für die Nachbarschaft ist. Eine historische Wiener Kulisse imitiert das Haus nirgends, und genau deshalb passt es zum heutigen Spittelberg. Was man dabei ehrlich sagen muss: Mit 132 Zimmern ist das miiro Spittelberg für ein so kleinteiliges Grätzl ein großes Haus.
Grätzl-Tipps
HABARI – eine Schatzkammer für Designfans
Wer rund um den Spittelberg unterwegs ist und gerne besondere Dinge entdeckt, sollte bei HABARI einen Abstecher einplanen. Der Concept Store ist eine wahre Fundgrube für alle, die sich für gutes Design, Handwerk und Dinge mit Geschichte begeistern. Statt austauschbarer Massenware findet man hier sorgfältig kuratierte Stücke aus Japan, Afrika und Europa – von Keramik und Körben über Textilien bis zu außergewöhnlichen Wohnaccessoires. Besonders schön: Hinter vielen Produkten stehen traditionelle Handwerkstechniken und die Geschichten der Menschen, die sie gefertigt haben. Genau das macht HABARI zu einem Ort, an dem man selten mit leeren Händen hinausgeht – und oft mit einem neuen Lieblingsstück für die eigenen vier Wände.
&Flora: &flora in Wien: Gemüse kann hier auch Fleischfans begeistern
Wer in Wien gerne gut isst, sollte das &flora im 7. Bezirk auf dem Radar haben. Die Küche von Parvin Razavi verbindet Gemüse, orientalische Aromen und regionale Zutaten zu Gerichten, die überraschend, modern und alles andere als langweilig sind.
Und auch überzeugte Fleischfresser kommen hier auf ihre Kosten. Das zeigt spätestens das Beef Tatar: unbedingt probieren! Fein abgeschmeckt, aromatisch und so gut, dass selbst eingefleischte Tatar-Fans auf ihre Rechnung kommen. Dazu ein Glas Crémant – der ist im &flora ebenfalls eine echte Empfehlung und sensationell gut. Der Schwerpunkt liegt zwar klar auf Gemüse und vegetarischer Küche, doch genau das macht den Besuch spannend. Hier geht es nicht um Verzicht, sondern um Geschmack. Zutaten werden kreativ kombiniert, möglichst ganzheitlich verarbeitet und mit Gewürzen, Säure und unterschiedlichen Texturen immer wieder neu interpretiert. Unser Tipp: Wer Lust auf einen entspannten Restaurantabend mit kreativer Küche hat, sollte das &flora unbedingt ausprobieren. Am besten mit etwas Zeit, einem offenen Gaumen – und einem Glas Crémant.




Für wen passt das miiro Spittelberg in Wien?
Ideal für Städtereisende, die Design und zeitgenössische Kunst schätzen, für Freundinnen- und Freundetrips, Paare auf Kurzurlaub und alle, die Wien lieber durchstreifen als abhaken. Auch für Businessgäste mit ein, zwei freien Abenden funktioniert das Haus gut.
Besonders schön für Genießerinnen und Genießer, die einen Städtetrip rund um gutes Essen planen: Das POCO allein rechtfertigt die Anreise.
Weniger passend für Gäste, die Wellness, Pool oder Spa erwarten, für alle, die beim Ankommen persönlich betreut werden möchten, und für jene, die auf Deutsch als Servicesprache angewiesen sind.
Vor der Buchung beachten: Teppichboden in den Zimmern, Haussprache Englisch, kein Spa-Bereich. Wer Holzböden bevorzugt, sieht sich besser im Miiro Palais Rudolf im ersten Bezirk um.




Warum wir wiederkommen
Das miiro Spittelberg in Wien ist ein Haus, das sich seine Wirkung erarbeitet, während man länger bleibt. Der Nachbarschaftsanspruch der Gruppe funktioniert hier tatsächlich, und dafür sorgen vor allem das Restaurant und die Kunst. An der Herzlichkeit beim Ankommen ließe sich noch feilen; die Kleinigkeiten im Zimmer zeigen dagegen, dass man am richtigen Weg ist.
Beim nächsten Wienbesuch sitzen wir wieder an dieser Bar, diesmal mit dem Hot Honey Sour statt dem Gin & Tonic, danach zwei Pizzen und zwei Banoffee. Eines zu teilen war schon beim ersten Mal keine gute Idee.


TEXT & FOTOS Silvia Moser-Mittermair
Häufige Fragen zum miiro Spittelberg Wien
Reisebericht: Silvia Moser-Mittermair, COCOtravel
miiro Spittelberg
Kirchberggasse 6 · Wien · Österreich
























