Persönlicher Erfahrungsbericht von COCOtravellern Karin & Andi
Santa Irini Retreat · Therasia, Kykladen
Karin und Andi verweilten Anfang Juli vier Nächte auf Therasia, der kleine Kykladenschwester von Santorini, und bezogen im Santa Irini Retreat die Margarita Caldera Suite. Erwartet hatten die beiden ein hübsch renoviertes Steinhaus mit Aussicht. Bekommen haben sie vier Tage in einem Haushalt, in dem die Eigentümer auch gerne mal selbst mit am Tisch sitzen und niemand einen Nachnamen braucht. Dazu ein Kloster mit Blick über die halbe Ägäis und eine Gastfreundschaft, die sich schwer in eine Hotelkategorie sortieren lässt.
Die Anreise: 25 Minuten Bustaxi, 10 Minuten Bootstransfer – und eine andere Zeitrechnung
Am Flughafen von Santorini wartet ein Chauffeur mit Namensschild, dahinter ein Bustaxi, das uns in 25 Minuten quer über die Insel zum Hafen von Ammoudi bringt. Dort liegt schon das Transferboot. Zehn Minuten später legen wir in Riva auf Therasia an, und der Unterschied könnte größer nicht sein: Wo eben noch ein Lokal neben dem anderen stand, sitzen jetzt ein paar ältere Herren am Pier und angeln, während die Kinder danebenstehen und zuschauen, als würde gerade etwas Wichtiges verhandelt.



Am Steg stehen Dimitris und Paris, die Eigentümer des Santa Irini Retreat, in Shorts und Poloshirt. Sie stellen sich höflich vor und begrüßen uns mit den Worten: „Willkommen auf Santorini vor 50 Jahren.“ Dieser Satz sollte uns die nächsten 4 Tage begleiten.
Erster Eindruck im Santa Irini Retreat: ein Holztisch für zwölf, längst eingedeckt
Über eine kleine Anhöhe fahren sie uns hinauf zum Retreat, ein paar Stufen führen durch einen sorgfältig angelegten Garten, und dann stehen wir mitten in der Lounge, ohne dass es dazwischen so etwas wie eine Rezeption gegeben hätte. Moderne Linien, in beige gehalten, alte Möbel, dazwischen ein großer Holztisch für zwölf Personen direkt vor der offenen Küche, bereits eingedeckt. Ruhig, beschaulich, familiär. Wir werden den anderen Gästen vorgestellt, selbstverständlich nur mit Vornamen, und sind mitten im Gespräch, bevor unser Gepäck oben ist. Flora, die Köchin, kommt vorbei und fragt, wann sie das Abendessen servieren darf. Während Andi sich einen Überblick über das kleine Anwesen verschafft, zeigt mir Paris unsere Suite.



Margarita Caldera Suite: Steintrog, Drehschalter und der Blick über die Caldera
Zuerst der Ausblick, klar: die Caldera und, am Abend, die Lichter von Santorini gegenüber. Die Caldera ist übrigens der eingebrochene Vulkankessel, der Santorini und Therasia einst miteinander einander verbunden hat, heute ein von Meerwasser gefüllter Halbkreis. Dann wandert der Blick durch den Raum, welcher wirkt wie aus aus einer anderen Zeit: ein Steintrog als Waschbecken, gekalktes, handverputztes Mauerwerk, schwarze Drehschalter, wie man sie vielleicht noch aus dem Haus der Großeltern kennt, fein säuberlich griechisch besticktes Leinen als Bettkopf, geflochtene Stühle, kleine Körbe, die von der Decke hängen.
Und doch mangelt es kein bisschen an Bequemlichkeit und Komfort: großzügige Dusche, Klimaanlage, deren Steuerung geschickt hinter dem Fensterbalken verschwindet. Einen Fernseher gibt es bewusst nicht, vermisst haben wir ihn kein einziges Mal. Auf meine Frage, wer für diesen Look verantwortlich zeichnet, meint Paris eher beiläufig, er sei früher Ingenieur gewesen und habe den originalen Stil der Insel zeigen wollen. Herausgekommen ist ein perfekter Look aus authentisch alt und modern. Schlicht aus einem Guss.





COCO-Tipp
Das Santa Irini Retreat hat vier Suiten und zwei separate Gästezimmer im Untergeschoss, jeweils mit eigenem Badezimmer, und ist damit schnell ausgebucht. Für Paare läuft das Haus als Adults-only, Kinder sind willkommen, sobald eine Familie oder Gruppe alle Einheiten belegt. Genau das ist auch der Grund, warum kleine Yoga-, Mentaltrainings- oder Teambuilding-Runden hier so gut aufgehoben sind: Die Verpflegung wird individuell abgestimmt, weil ohnehin für alle gemeinsam gekocht wird. Wer die Terrasse mit direktem Blick Richtung Santorini möchte, sollte die Kategorie bei der Anfrage konkret nennen.
Kulinarik im Santa Irini Retreat: Ziege aus dem Freiluftofen, Gemüse und Kräuter aus dem eigenen Garten
Abendessen am großen Tisch
Der Tisch ist reich mit Vorspeisen gedeckt, dazu Brot, das noch frisch nach Ofen duftet. Flora kommt mit einem riesigen Tablett direkt vom Freiluft-Holzofen: gebratene Ziege mit Kartoffeln, gewürzt mit Kräutern aus dem hauseigenen Garten. Dimitris schenkt Rotwein, Weißwein und Wasser ein, dann setzen sich beide Gastgeber mit an den Tisch. Die Küchenlinie ist bewusst einfach gehalten: ehrliche Inselküche statt Fine Dining.
Out of the Ordinary – als das Gespräch verstummt
Bis vor kurzem war das noch eine muntere Runde aus fünf Nationen. Dann kommt die Ziege auf den Tisch, und die anregenden Gespräche verstummen. Flora lächelt zufrieden, wechselt einen zustimmenden Blick mit den Hausherren und zieht sich in die Küche zurück.




Frühstück: gemeinsam oder ganz für sich
Am zweiten Morgen setzen wir uns einfach wieder zu den anderen. Gruppenzwang gibt es keinen, wer lieber allein frühstückt, nimmt einen der kleinen Tische auf der leicht erhöhten Fläche unter den schattenspendenden Bäumen. Flora wird jetzt von Ilias unterstützt, der frisch gepressten Orangensaft serviert, dessen herrlicher Duft ihm vorauseilt. Dazu Eierspeise mit klein gehackten Tomaten in einer Schüssel, eine Art Quiche mit Zucchini, selbstverständlich frisch gebackenes Brot, Oliven, Schafskäse und griechischer Joghurt mit Honig. Kaffee oder Tee, je nach Nachfrage. Die besten Inseltipps holen wir uns übrigens im Gespräch mit den Tischnachbarn.


COCO-Tipp
Sprecht Essenszeiten und Wünsche gleich beim Ankommen an. Weil individuell gekocht wird, lassen sich vegetarische Abende, Allergien oder eine spätere Dinnerzeit unkompliziert einplanen – wenn man es früh genug sagt.
Out of the Ordinary
Dinner am Holzofen und die 80er. Am letzten Abend nehmen wir noch einmal am großen Tisch Platz, diesmal in einem anderen Setting, direkt neben dem Freiluftofen platziert. Von hier sieht man das Retreat und die dazugehörige private Kirche aus einem völlig anderen Blickwinkel. Flora serviert vegetarisch: mit Reis und Kräutern gefüllte Tomaten und Zucchini. Wir plaudern über die Musik der 80er, und erst jetzt fällt uns auf, dass Paris unbemerkt Musik der 80er angemacht hat. Nebenbei bemerkt: Die sonst so übliche Loungemusik sucht man hier vergeblich, und wir vermissen sie kein bisschen.

Zu Fuß nach Manolas: 34 Kirchen, 250 Stufen und ein ausgezeichneter Espresso
Rund eineinhalb Stunden wandern wir an mehreren verlassenen Häusern vorbei, bis wir auf einer Anhöhe Manolas erreichen, den Hauptort der Insel. Hier lässt sich der Charme glanzvollerer Zeiten erahnen: Neben hübschen Häusern im typisch blau-weißen Stil, stehen verfallene Ruinen. Die Wiederbelebung setzt sich langsam in Gang, es gibt ein paar Airbnb‘s, kleinere Hotels und Restaurants, alle geschmackvoll renoviert und in die Landschaft eingefügt. Auch das ist ein Gesicht von Therasia.
Wir finden ein kleines Café mit richtig gutem Espresso, wichtig für Andi, und einem Blick auf die Bucht von Korfos, über dem man die Zeit vergisst. 250 Stufen führen von hier hinunter zum Strand vorbei an ein paar netten Lokalen. Die Einheimischen grüßen uns neugierig, am Rückweg beobachten wir die Vorbereitungen für ein Kirchenfest, Jung und Alt im Einsatz. Bei rund 200 Einwohnern zählt die Insel 34 Kirchen, und keine einzige davon ist aufgegeben.
Zu Mittag essen wir am folgenden Tag im Panorama Resto in Manolas, geführt von einem jungen Pärchen. Man serviert eine große Vorspeise für alle, Gemüse auf Fischtatar, danach kommen einheimischer Fisch raffiniert auf Rote-Bete-Püree mit frischen Kräutern und Hähnchen in Salbei mit Kartoffeln.






COCO-Tipp
Die vorderste Tischreihe im Panorama Resto ist nichts für Menschen mit Höhenangst, der Blick fällt direkt hinunter auf den Hafen von Korfos. Wer schwindelfrei ist, sollte genau dort reservieren, alle anderen sitzen eine Reihe weiter hinten genauso schön. Und wenn ihr die 250 Stufen nach Korfos hinuntergeht: Plant den Aufstieg nicht für die Mittagsstunden ein, Schatten gibt es unterwegs kaum.
Tagesausflug nach Santorini: Fähre ab Riva und Sonnenuntergang in Ammoudi
Santorini ist eine Welt für sich: Postkartenmotive an jeder Ecke, steile enge Treppen, blaue Kuppeln, Windmühlen, dazwischen Esel, dazu Lokale, Boutiquen und Cafés von einfach bis superchic. Bedient werden wir überall ausgesprochen freundlich, das geschäftige Treiben nehmen wir nach zwei Tagen Therasia allerdings intensiver wahr als früher.
Am Abend laufen Boote und Katamarane für den Sonnenuntergang im Hafen von Ammoudi ein, und wir verstehen sofort, warum. Wir genießen ihn in einem der noblen Restaurants direkt vor Ort, die Auswahl ist riesig. Es lohnt sich jedenfalls hier ein schönes Abendessen zu genießen. Dimitris hat für uns den Zeitpunkt des letzten Transfers eruiert, wir nehmen diesen um 21.15 Uhr zurück nach Riva. Wer diese Atmosphäre länger auskosten möchte, sollte rechtzeitig ein Taxiboot ordern.






COCO-Tipp
Lasst euch die aktuellen Fährzeiten vom Haus heraussuchen, bevor ihr euren Ausflug plant. Die Verbindungen zwischen Santorini und Therasia sind überschaubar, und die letzte Rückfahrt bestimmt letztlich den gesamten Tagesablauf. Bei uns ging es freitags um 21.15 Uhr zurück, was perfekt mit dem Sonnenuntergang korrelierte. Sowohl an den übrigen Wochentagen, als auch saisonal kann das variieren, deshalb lieber einmal zu viel nachfragen als in Oia auf die Uhr zu schauen.
Motorsegler, Papamobil und ein Kloster über der Caldera
Am Nachmittag geht es mit dem „Papamobil“ weiter, einem umgebauten Kleinbus, der uns über schmale, ungeteerte Straßen zum Kloster von Panagia am südlichsten Hügel der Insel bringt. Allein die Fahrt mit Rundumblick über Therasia ist ein Erlebnis.
Für den Bootsausflug liegt ein elegantes Motorsegelboot aus hellem Holz bereit. Nach einer halben Stunde ankern wir in einer ruhigen Bucht, das Wasser glasklar und mit rund 24 Grad angenehm kühl, ringsum die schwarzen Vulkanfelsen der Caldera. An Bord gibt es ein Picknick mit Fleischbällchen, Gemüse und Obst, dazu Assyrtiko, die weiße Inselrebsorte, deren typisch mineralischer Geschmack vom Vulkangestein kommt.





Out of the Ordinary
Am Kloster, wo Atlantis plötzlich plausibel wird
Oben angekommen sehen wir die ganze Caldera, ganz Santorini und zwei unbewohnte Inseln. Hier lässt sich die Legende vom versunkenen Atlantis auf einmal richtig gut begreifen: Man stellt sich mühelos vor, wie ein Vulkanausbruch eine hochentwickelte Stadt komplett im Meer verschwinden ließ. Am Steilhang unter dem Kloster zeugen minoische Ausgrabungen von Behausungen aus 1600 vor Christus. Wir erkennen die Bucht, in der wir am Vormittag geschwommen sind. Das heute unbewohnte Klostergelände selbst ist schlicht und gut erhalten und erzählt still vom einfachen Leben auf Therasia. Bei sehr guter Sicht reicht der Blick bis nach Kreta.
Am Rückweg passieren wir ein komplett modernes Weingut auf rund vier Hektar, mit großen Stahltanks im Keller. Hier wird die edelste Weißweintraube der Caldera mit ihrem unverkennbaren mineralischen Geschmack kultiviert. Ein Besuch mit Weinverkostung des typischen Assyrtiko, steht bei unserem nächsten Besuch fix am Programm.
Der graue Pool: schwimmen Richtung Santorini
Am vierten Vormittag bleiben wir einfach „zu Hause“. Der Pool ist grau gestrichen und von ebenso grauen Natursteinen eingefasst, was zunächst unspektakulär klingt, jedoch vor Ort genau richtig wirkt, weil sich das Becken farblich in die vulkanische Landschaft einfügt, statt sich davor zu stellen. In die eine Richtung schwimmt man optisch auf Santorini zu. Dreht man sich um, liegt Ios vor einem, dahinter Paros, Naxos und weitere Inseln in der Ferne.
Bei 18 bis 28 Grad Außentemperatur und 22 bis 24 Grad im Meer ist Anfang Juli für uns die ideale Kombination. Dazu sorgt eine ständig leichte Brise von den Steilküsten der Ägäis für angenehme Frische auf der Haut.



Für wen passt das Santa Irini Retreat auf Therasia?
Ideal für: Individualreisende und Paare, die das Schlichte und Authentische einer Insel suchen, gerne wandern, Rad fahren oder Ausflüge machen und größerem Trubel bewusst ausweichen. Ebenso für kleine Gruppen wie Yoga- oder Mentaltraining-Runden und Teambuildings, man bleibt unter sich und kann die Verpflegung ganz individuell abstimmen.
Besonders schön für: Reisende, die Santorini kennen und es diesmal anders erleben möchten, mit Tagesausflügen hinüber und Rückkehr in die Stille.
Weniger passend für: Gäste, die Spa, Zimmerservice, mehrere Restaurants zur Auswahl oder Abendunterhaltung erwarten. Wer im Zimmer einen Fernseher braucht, sollte das vorher wissen. Für Familien mit Kindern funktioniert das Haus nur bei Komplettbuchung aller vier Suiten und beider Gästezimmer.
Worauf man vor der Buchung achten sollte: Die Anreise erfolgt über Bustaxi und Boot. Auf der Insel bewegt man sich zu Fuß, mit dem Fahrrad oder auch Taxi, beziehungsweise mit organisierten Fahrten für Wege, die teils unbefestigt und steil sind.
Abschied?
Am letzten Tag wollen wir die ruhige, unkomplizierte und familiäre Atmosphäre dieses Hauses noch einmal richtig einatmen und etwas davon mit nach Hause nehmen. Was wir uns im Geiste behalten, ist weniger eine einzelne Sehenswürdigkeit als diese unverkennbare Stimmung: die Alleinlage mit 360-Grad-Panorama, das beleuchtete Santorini gegenüber, ein Architekturmix aus modern und traditionell, der hier perfekt aufgeht, und Gastgeber, die sich ungezwungen an den Tisch dazusetzen. Unser persönliches Inselhighlight war die Fahrt zum Kloster, wegen des Ausblicks über die gesamte Caldera und die Steilküsten, und weil das „Papamobil“ schlicht Spaß macht. Beim nächsten Mal stehen auf jeden Fall das Weingut mit Verkostung des Assyrtiko und eine Radtour noch auf der Liste. Außerdem wird es ein längerer Aufenthalt: Vier Nächte fühlen sich hier eher nach Vorspeise an.

TEXT: Karin Wohlschlager · FOTOS: Andreas Kolarik
Häufige Fragen zum Santa Irini Retreat auf Therasia
Reisebericht: Karin & Andi, COCOtravel
Santa Irini Retreat
Therasia · Kykladen · Griechenland




